Pfarrei St.Blasius Ehrendingen

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Die Glocken von Ehrendingen

Glocken als Orientierung

"Wenn ich mit meinem Hund Frisby von Unterehrendingen nach Schneisingen laufe", erzählt mir die blinde Priska Meier aus Unterehrendingen, "so habe ich verschiedene Anhaltspunkte, die mir den Weg weisen. Ich spüre zuerst die unterschiedliche Beschaffenheit des Bodens auf Strassen und Wegen und achte auf die Steigungen und das Gefälle. Gute Orientierung geben mir aber auch die verschiedenen Geräusche, sei es der Verkehr, die Geräusche im Wald, das Rauschen des Wassers oder auch die Glocken der Kirchen." Auf meine erstaunte Rückfrage wie denn die Glocken Orientierung sein können, erklärt mir Priska Meier: "Ich brauche rund 40 Minuten für einen Weg. In dieser Zeit höre ich mindestens zweimal den Glockenschlag. Da ich den Schlag der Glocken der Kirchen von Niederweningen, Schneisingen, Oberehrendingen und der Kapelle von Unterehrendingen unterscheiden kann, merke ich genau, in welche Himmelsrichtung ich laufe und auf welchem Abschnitt des Weges ich mich gerade befinde."

Für Priska Meier sind die Töne der Glocken eine Hilfe zur Orientierung auf ihrem Weg. Für andere gibt der Stundenschlag der Glocken den zeitlichen Rhythmus des Tages an und sie richten ihre Uhr danach. Wieder andere zählen die Glockenschläge in schlaflosen Nächten. Und wieder andere regen sich auf, wenn sie durch das Läuten der Glocken zu früher Morgenstunde wach werden. Glocken wecken eben verschiedene Gemütszustände: Heimatgefühl, Orientierung, Traditionsbewusstsein, Ärger, Freude, Feierlichkeit oder Trauer. Deshalb lohnt es sich, diese uralten Musikinstrumente einmal näher anzuschauen.

Geschichte der Glocken

Glocken haben ihren Ursprung wahrscheinlich in China. Sie tauchen dort vor rund 4000 Jahren auf als Musikinstrumente und als tönende Symbolträger bei religiösen Handlungen. In unserem Kulturkreis sind sie über Indien und den vorderen Orient gekommen. Auch in der Bibel ist bereits von Glocken und Schellen die Rede und zwar meistens in Zusammenhang mit dem Kult am Tempel. Es ist auch anzunehmen, dass schon damals Tieren kleine Glocken umgehängt wurden, damit sie auf freiem Feld besser gefunden werden konnten.

Die lange Tradition, Glocken als akustische Signalgeber im religiösen Bereich zu benutzen, blieb auch im Christentum bestehen, wenn auch am Anfang des Christentums wegen der Christenverfolgung an ein öffentliches Ertönen der Glocken nicht zu denken war. Wahrscheinlich haben dann koptische Mönche in Ägypten im 4. Jahrhundert n.Chr zum erstenmal die Glocke als Ruferin zum Gebet öffentlich benutzt. Ab Beginn des 5. Jahrhunderts n.Chr. scheint das öffentliche Läuten von Glocken in Klöstern immer selbstverständlicher geworden zu sein.

Papst Sabinian (604-606) ordnete das Läuten der Glocke auch außerhalb der Klostermauern zu den sieben in den Klöstern längst üblichen Gebetszeiten an.

Gebetszeiten im Kloster

5 Uhr: Matutin
6 Uhr: Prim
9 Uhr: Terz
12 Uhr: Sext
15 Uhr: Non
17 Uhr: Vesper
19 Uhr: Komplet

Vom Klang der Glocke sollten die verstreut wohnenden ChristInnen zum Gebet gerufen werden.

Mit der Christianisierung durch irische und schottische Wandermönche und durch verschiedene Edikte von Karl dem Grossen fand die Glocke in ganz Europa ihre endgültige Verbreitung.

Die Glocken der Agathakapelle

Wann genau die ersten Kirchenglocken in Ehrendingen geläutet wurden, lässt sich nicht mehr eruieren. Es ist aber anzunehmen, dass sowohl die Agathakapelle in Unter- wie auch die frühere Blasiuskapelle in Oberehrendingen von Anfang an mindestens eine Glocke im Turm hatten.

Die erste genaue Datierung liess sich auf der kleinen, 1956 eingeschmolzenen Glocke der Agathakapelle finden. Dort stand * 1596 + ANNO + DOMENNI *. (DOMENNI war die im Mittelalter übliche Schreibweise für DOMINI). Die Inschrift heisst demnach: 'Im Jahre des Herrn 1596'.

Eine etwas jüngere Glocke steht heute vor dem Eingang der Agathakapelle. Auf ihr sieht man zwischen Verzierungen Maria mit dem Kind, den Gekreuzigten, die Heiligen Verena und Margareta sowie eine von Lorbeerblattreifen begleitete und von Rosetten durchsetzte Aufschrift: 'HAE MERITO SANCTAE DEVOTA MENTE COLANTVR [sic] / PRO QVARVM CVLTV DAT BONA QVAEQVE DEVS'. 1639 R. Übersetzt heisst diese Inschrift: 'Diese aus Verdienst (= verdienstvollen) Heiligen werden mit anbetendem Geist verehrt. Für deren Verehrung gibt Gott alle Güter. 1639 R'

Diese beiden Glocken ertönten bis 1956 vom Turm der Agathakapelle. Weil sie Schäden aufwiesen und eine Reparatur nicht mehr möglich war, wurden 1956 in einem festlichen Akt zwei neue, in der Aarauer Glockengiesserei Rüetschi hergestellten Glocken in den Turm gezogen.

Die grössere Glocke - sie ist 95 kg schwer, hat einen Durchmesser von 55 cm und ist gestimmt auf den Ton fis" - trägt das Bild Maria mit dem Kind und die Inschrift 'AVE MARIA GRATIA PLENA' (Gegrüsst seist du Maria, voll der Gnade). Auf der Kleineren - sie ist 57 kg schwer, hat einen Durchmesser von 46 cm und ist gestimmt auf den Ton a" - ist die heilige Verena abgebildet. Die Inschrift auf ihr lautet 'SANKTE VERENA ORA PRO NOBIS' (Heilige Verena bitte für uns).


Die Glocken der Pfarrkirche

Informationen über das frühere Geläute der Pfarrkirche St.Blasius in Ehrendingen sind leider nicht vorhanden. Die erste genaue Datierung geht deshalb 'nur' ins Jahr 1900 zurück. Damals wurde festgestellt, dass die drei grösseren Glocken Sprünge aufwiesen. Deshalb beschloss die Kirchgemeinde, die Kirche mit einem neuen, ebenfalls in der Aarauer Glockengiesserei Rüetschi gegossenen Geläute auszurüsten, was am 30. Juni 1901 mit einem grossen Fest geschah.

Die grösste Glocke - sie ist gestimmt auf E und wiegt 1265 kg - zeigt Jesus am Kreuz. Beim Kreuz steht eine Frauengruppe. Die Inschrift lautet: 'GLORIA PATRI ET FILIO ET SPIRITUI SANCTO' (Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste).

Die zweite Glocke - sie ist gestimmt auf G und 795 kg schwer - zeigt die Szene Maria Verkündigung (Gegrüsst seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir).

Die dritte Glocke - sie ist gestimmt auf A und 535 kg schwer - zeigt rechts das Bild des Kirchenpatrons Blasius und links das des zweiten Kirchenpatrons, des heiligen Franz Xaver. Die Inschrift auf dieser Glocke lautet: 'IN NOMINE MEO SUPER AEGROS MANUS IMPONENT ET BENE HABEBUNT' (In meinem Namen werden sie Kranken die Hände auflegen, und diese werden gesund werden. Mt 16,18).

Die kleinste Glocke - sie ist gestimmt auf C und wiegt 315 kg - zeigt ein Schutzengelbild. Ihre Inschrift lautet: 'ANGELUS DEI COMITETUR VOBISCUM' (Der Engel Gottes begleite euch! Tob 5,21).

 


Beiern, Schlagen, Läuten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Glocken zum Tönen zu bringen. Den meisten unbekannt (und bei uns in Ehrendingen nicht üblich und technisch nicht möglich) ist z.B. das BEIERN. Beim BEIERN wird nicht die Glocke sondern der Klöppel hin und her bewegt. Gebeiert werden Glocken vereinzelt in Deutschland. Eher im Süden (z.B. im Tessin) angesiedelt ist jenes besondere Läuten, bei dem die Glocke beim Schwingen jeweils seitlich angehalten wird. Im Zusammenspiel mit den andern Glocken gibt diese Art des 'Läutens' fast den Eindruck eines Glockenspiels.

Bei uns werden die Glocken geschlagen und geschwungen. Der GLOCKENSCHLAG erfolgt mit einem Eisenhammer von aussen an den Saum der Glocke. Die beiden kleinen Glocken der Pfarrkirche werden jede Viertelstunde geschlagen, 1x um viertel nach, 2x um halb, 3x um viertel vor und 4x zur vollen Stunde. Die Stunden schlägt der Hammer an der grosse Glocke. Der Glockenschlag in der Agathakapelle folgt andern Gesetzen. Zur halben Stunde werden beide Glocken (klein/gross) je einmal geschlagen und der Stundenschlag erfolgt direkt an der grossen Glocke mit der Stundenzahl, ohne 'Vorankündigung'.

GELÄUTET werden die Glocken durch das Hin- und Herschwingen der ganzen Glocke. Der Klöppel (er ist mit einem Lederband im Innern der Glocke befestigt) schlägt regelmässig rechts und links an den Innensaum, was im Verlaufe der Zeit zu kräftigen Abnützungen führt. Wird der Ton dann zu sehr verändert und der Anschlag unpräzise, so werden die Glocken leicht gedreht.

GELÄUTET werden die Glocken einerseits zu den täglichen Gebetszeiten und anderseits als Einladung zu den Gottesdiensten. Als Gebetszeiten wurde seit Jahrhunderten die klösterliche Tradition übernommen (siehe oben), wobei ausserhalb der Klöster nur die drei grossen Gebete Anklang fanden. Deshalb läutet es um 6 Uhr zum grossen Morgengebet - Prim - (nur in St. Blasius, Ehrendingen), um 15 Uhr zur 'Non' als Zeit der Todesstunde Jesu (in St. Agatha, Ehrendingen aus unbekannten Gründen um 16 Uhr) und um 19 Uhr zum grossen Abendgebet 'Komplet'. In der Pfarrkirche wird für diese Gebetszeiten die drittgrösste Glocke benützt, in der Agathakapelle kommen beide Glocken hintereinander zum Einsatz.

Etwas aus der Reihe tanzt das Geläut von 11 Uhr. Die Tradition, um 11 Uhr zu läuten ist viel jünger. Und geläutet wird aus Anlass des Angelusgebetes (Der Engel des Herrn brachte Maria die frohe Botschaft und sie empfing vom heiligen Geist.) In der Agathakapelle gibt es dabei von der Art des Läutens keinen Unterschied zum Gebetszeitläuten, in der Pfarrkirche wird dafür die zweitgrösste Glocke benützt. Und als der Kindergarten noch um 11 Uhr endete, wurde dazu in vielen Kindergärten das 'Elfi-Glöggli-Lied' gesungen.

Das 'Elfi-Glöggli-Lied'
S'Elfi Glöggli lütet scho
jetz isch d'Zyt zum heizue go.
Uf em Wäg nöd umestoh
und nid wie nes Schnäggli go.

GELÄUTET werden die Glocken aber natürlich auch vor den Gottesdiensten. Die zwei kleinen Glocken rufen zum Gebet (z.B. zum Rosenkranz am Montag um 18.15 Uhr und zum Friedensgebet am Freitag um 16.45 Uhr) und zu Gottesdiensten am Werktag (z.B. am Dienstag um 8.45 Uhr zum Werktagsgottesdienst). Das gesamte Geläute kommt bei Beerdigungen, Trauungen und Sonntags- oder Vorabendgottesdiensten zum Zug. Ebenfalls mit allen Glocken wird am Samstag um 17 Uhr der Sonntag eingeläutet. Zu diesen Zeiten kommt noch das Läuten vor einer Taufe mit der kleinsten Glocke und das Läuten bei einem Todesfall mit der grössten Glocke.

Antrieb

Geläutet werden unsere Glocken heute elektrisch, in St. Blasius seit 1946 und in St. Agatha seit 1957. Die Löcher in jedem Stockwerkboden des Turmes der Pfarrkirche, durch welche das Seil von der Glocke bis zum Turmboden geführt wurde, ist aber heute noch sichtbar. Und auch in der Agathakapelle sind die beiden Löcher in der Decke Zeugen, wie wohl hie und da beim Läuten von Hand manch ein leichtgewichtiger Bub von der Glocke fast in die Höhe gezogen wurde. Schön muss das Läuten von Hand im nostalgischen Rückblick schon gewesen sein, aber missen möchte heute den elektrischen Antrieb wohl niemand.

Auch die beiden Kirchturmuhren und damit der Glockenschlag sind inzwischen elektrifiziert und mit moderner Computersteuerung ausgerüstet. Nur noch das alte mechanische Uhrwerk im Turm der Pfarrkirche mit dem glänzenden Schild '1929' (Herstellungsjahr) träumt vielleicht noch von alten Zeiten als die Sakristanin jede Woche in den Turm steigen musste, um das Uhrwerk aufzuziehen. Heute darf das alte Uhrwerk zwar das Bewegen der Uhr und das Schlagen der Stunden noch ausführen, aber gesteuert wird es von der Funkuhr in Neuenburg und die Energie dafür bezieht es aus der Steckdose.

Quellen: Archiv der Pfarrei Ehrendingen, Ehrendinger Buch, Archiv der Glockengiesserei Rüetschi Aarau ( http://www.guk.ch), Archiv der Kirchturmuhrenfabrik Muff Triengen, sowie für die Geschichte der Glocken verschiedene Seiten im Internet, z.B. http://www.glocken-online.de.

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2009