Pfarrei St.Blasius Ehrendingen

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AgathakapelleKAPELLE ST.AGATHA Unterehrendingen

GESCHICHTLICHES (vgl. auch Artikel von Robert Lang, Architekt, 1944)

Aus der Geschichte und Entstehungsgeschichte der Kapelle ist fast nichts bekannt.

Die 1994 durchgeführten Maueruntersuchungen stellten klar, dass der Bau ins 11. oder 12. Jahrhundert zurückreicht. Gemäss dem Liber marcarum war das Gotteshaus um 1370 eine Filiale der Pfarrei Niederweningen, deren Kollatur 1310 aus den Händen der Regensberger an das Domkapitel Konstanz gelangt war. Nach dem Übertritt Zürichs zum reformierten Glauben benützten Ober- und Unterehrendingen das Kirchlein einige Jahrzehnte lang (bis ca. 1580) behelfsmässig für den Pfarrgottesdienst.

Zu unbestimmter Zeit, wahrscheinlich im Zusammenhang mit dieser Neunutzung, wurde der ehedem rechteckige Bau ostwärts erweitert und dreiseitig geschlossen.

1639 stiftete das Konstanzer Domkapitel eine neue Glocke.

1942 fand eine durchgreifende Renovation statt, bei welcher das Fundament der alten Ostwand sowie älteres, bisher ungedeutetes Mauerwerk unter dem Fussboden konstatiert wurden und das Altarretabel eine Restaurierung erfuhr.

1956 ersetzte man die nicht ursprüngliche Bretterverschalung am Turmschaft durch eine Schindelverkleidung. Bei Anlass einer weiteren Renovation 1994/95 wurden systematische baugeschichtliche Untersuchungen vorgenommen, durch deren Resultate sich die früheren Befunde ergänzen liessen.

BESCHREIBUNG

Lage und Äusseres

Die geostete Kapelle steht auf der Westseite des Dorfkerns, am Platz, wo die nach der Höhtalstrasse führende Dorfstrasse und der nach Oberehrendingen führende Kirchweg mit dem alten Wegring verknüpft sind. Eng benachbart mit einem Winzerhaus des 18. Jahrhunderts und dem bereits im Mittelalter erwähnten Gasthof Zum Engel, ist das kleine Sakralgebäude nur von der Süd- und von der Ostseite her aus Distanz erkennbar.

Das kurze Schiff und der gleichbreite Polygonalchor liegen unter einem durchlaufenden, ostseitig dreifach abgewalmten Satteldach. Das den First überragende, rot verschindelte Vierkanttürmchen zeigt schwarzgoldene Uhrkreise und trägt einen geknickten achtkantigen Ziegelhelm mit silbrigem Knopf (einmalig im Kt. Aargau), Kreuz und Wetterhahn.

Mehrere Fenster unterschiedlicher Entstehungszeit beleben die Längswände: Zwei romanische, mit schrägen Leibungen versehene Rundbogenöffnungen auf der Nord- und auf der Südseite, reichen noch in die Erbauungszeit zurück; ein grösseres, am Ostende der Südwand situiertes Rundbogenlicht gehört dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert an; und ein gekuppeltes, hölzernes Stichbogenfenster in der Südwandmitte scheint nach dem zweiten Weltkrieg durch die Veränderung eines älteren, gerade abschliessenden Zwillingsfensters entstanden zu sein.

Das von einem Klebedächlein geschützte, gefasste Rundbogenportal in der Westfassade wurde offenbar erst im Zusammenhang mit der Kapellenerweiterung angelegt. Die ursprüngliche Zugangstüre befand sich am Westende der Südflanke, wo einige Hausteine ihres Gewändes von 1942 bis 1994 offen zutage lagen.

Hochaltar



Inneres

Das 11,40 m lange und 5,25 m breite Innere der Kapelle wird von einer spätbarocken Leistendecke überspannt. Eine Stufe im alten Tonplattenboden markiert den Übergang vom Schiff zum dreiseitig schliessenden Chor. Im Westen tragen zwei Streichbalken die 1942 erneuerte stützenlose Holzempore.

Auf einer holzverkleideten Mensa erhebt sich ein frühbarockes schwarz und grau marmoriertes Säulenretabel mit gesprengtem Dreieckgiebel, in dem ein aus der Kapelle selber stammendes Ölgemälde der Kreuzigung in sekundärer Verwendung die Funktion des Altarblattes erfüllt. Maria, Johannes und der ferne Architekturhintergrund entsprechen stilistisch der am Bildrand vermerkten Datierung 1627 und stehen in der Tradition des Badener Malers Durs von Aegeri (letztmals erwähnt 1606); der Kruzifixus - eine Schnitzfigur aus Lindenholz mit fein empfundener Barockfassung - ist nachträgliche Zutat, gehört indessen noch dem frühen 16. Jahrhundert an.

Auf zwei seitlichen Konsolen stehen spätgotische Bildwerke der heiligen Agatha und Verena in jüngerer Lüsterfassung, volkstümlich gearbeitete Lindenholzstatuen, die einst, zusammen mit einer Margaretenplastik an der nördlichen Chorwand, einem grösseren Figurenensemble zugehört haben dürften. Oberschwäbisch oder bayrisch, wohl frühes 16. Jahrhundert. An den Längswänden einfache Kreuzwegbilder aus dem späten 19. Jahrhundert.

Das Dachwerk der Kapelle zeigt Spuren mehrerer gründlicher Erneuerungen, wahrt aber in Teilen noch den Originalzustand des 16. oder frühen 17. Jahrhunderts (Überblattungen, Holznägel).

Glocke


Im Türmchen hängen zwei Glocken von Rüetschi aus dem Jahre 1956. Das durch sie ersetzte ältere Geläute bestand aus einer Glocke von 1596 und einer Glocke von 1639. Letztere steht heute im Freien vor der südlichen Kapellenfassade. Sie zeigt zwischen drei renaissancistischen Voluten- und Lilienfriesen die Immakulata mit Kind, den Gekreuzigten und die hl. Verena und Margareta sowie eine von Lorbeerblattreifen begleitete und von Rosetten durchsetzte Aufschrift: HAE MERITO SANCTAE DEVOTA MENTE COLANTVR [sic] / PRO QVARVM CVLTV DAT BONA QVAEQVE DEVS . 1639 R . Durchmesser 56 cm.

Leicht veränderter Auszug aus ©"Kunstdenkmäler des Kantons Aargau", Bd VII, Basel 1995

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